Dienstag, 30. August 2011

29. August - Boston

Tag 1 nach Irene: Wir stehen auf bei strahlendem Sonnenschein und fast wolkenlosen Himmel. Die ganze Woche soll es schön bleiben – der Sturm hat alle Wolken vertrieben! In Massachusetts sind eine halbe Million Menschen ohne Strom, die Baumschubser waren teilweise die ganze Nacht unterwegs, und die meisten National Grid Arbeiter waren heute früh schon wieder im Einsatz.

Am Vormittag fuhren wir nach Boston und begaben uns auf den Freedom Trail, wo wir an alle wichtigen historischen Gebäude herangeführt wurden.


Die Old North Church, eine calvinistische Kirche. Hier wurden 1775 zwei Laternen im Gestühl aufgehängt, um die Neuengländer vor den ankommenden englischen Soldaten zu warnen.














Das Paul Revere Haus, das älteste Wohnhaus in Boston, erbaut 1680.










Der Freedom Trail führte uns durch das North End, das älteste Stadtviertel in Boston. Hier lebten anfangs natürlich Engländer, doch nachdem die sich in bessere Gegenden zurückgezogen hatten, ließen sich hier Iren und vor allem Italiener nieder, weshalb das Viertel auch Little Italy heißt und mit einer gelassenen Atmosphäre und vielen kleinen Restaurants besticht.



Ye Oyster House, eines der ältesten Pubs in der Stadt












Die Fanieul Hall, erbaut von dem Franzosen Peter Fanieul 1742. Sie diente früher als Markthalle und Versammlungsort; hier wurde die Beschwerde Taxation without representation is tyranny zum Schlachtruf der Revolutionäre. Die Fanieul Hall ist das einzige Gebäude aus alten Zeiten, das noch aktiv genutzt wird.









 An der Harbour Front liegen ein paar Segelschiffe und vor allem große Yachten. Die berühmtesten drei Schiffe aber, von denen 1773 der Tee versenkt wurde, fehlen. Die Replika fing 2001 Feuer. Nächstes Jahr aber wird es ein großes Reopening geben und ein neues Schiff wird an dem historischen Schauplatz liegen, wie uns ein netter Pensionär aus einem kleinen Visitor Center erzählte.


























Das Old State House war erst Sitz des britischen Gouverneurs, dann das Regierungsgebäude von Massachusetts. Heute ist hier ein Museum und man hat sogar Zugang zur U-Bahn.
Heute sitzt der Governeur im State House













Das Holocaust Memorial auf dem Freedom Trail - es soll daran erinnern, was passieren kann, wenn Menschen ihre Freiheit genommen wird. Jede der fünf Stelen steht für ein KZ. Iin das Glas sind Nummern eingraviert. Jede Nummer steht für einen Häftling aus diesem Lager.
 



































Boston ist eine tolle Stadt. Boston hat das große Glück, eine Altstadt zu besitzen, wo echte Steinhäuser stehen – zudem wurden im vorigen Jahrhundert viele neue Häuser und Gebäude aus Ziegelsteinen errichtet, so dass ein einheitlicher Stil erkennbar ist. Steinhäuser sind eine echte Rarität in Amerika, wo entweder aus Beton oder Holz gebaut wird, nicht aber Stein auf Stein.

Boston ist bei weitem nicht so busy wie NYC; hier geht es ganz entspannt zu. Für amerikanische Verhältnisse ist die Stadt außerdem recht sauber und gepflegt. Gemessen an den vielen Yachten und an den luxuriös anmutenden Wohnhäusern am Hafen scheint Boston eine reiche Gegend zu sein, wo vermögende Menschen leben. Auch die Kennedys kommen im Übrigen aus Boston, haben aber ihren Wohnsitz auf Cape Cod. Tja, Cape Cod werden wir wegen Irene wohl nicht mehr zu sehen bekommen, denn den Tag, den wir dafür eingeplant hatten, haben wir gestern mit ereignisreichen Aktivitäten in der Hotellobby verbracht … Wer will schon nach Cape Cod, wenn man auch launchige Hotelatmosphäre im Comfort Inn Marlborough erleben kann! Strände gibt es schließlich überall …

Nachdem wir sechs Stunden durch Boston gestiefelt waren, fuhren wir die fünf Meilen nach Cambridge. Überquert man den Charles River, verlässt man Boston und kommt nach Cambridge. Eine niedliche Stadt mit einer studentisch-quirligen Atmosphäre. Doch immerhin hat das recht kleinstädtisch wirkende Cambridge 100.000 Einwohner, ein Viertel davon Studenten. Die berühmteste Uni in Cambridge ist Harvard University. Diese angesehene Uni ist die älteste der USA, gegründet 1636, und sicher ein unschlagbarer Pluspunkt auf jedem CV. Der parkähnliche Campus lädt auch Nichtstudis zum Bummeln ein, und so schlenderten wir im Abendlicht über den Campus, gingen vorbei an der Bibliothek und einigen Wohnheimen, in denen es, wie ein neugieriger Blick durch die Fenster offenbarte, nicht gerade luxuriös zugeht. Die gesamte Uni erinnert an das englische Oxford und Cambridge, nur dass es dort eben etwas ruhiger zuging, weil die Städte viel kleiner sind.

























 Nach diesem Spaziergang waren wir alle ziemlich erledigt und wir suchten etwas zum Abendessen. In der Gruppe zu reisen macht die Restaurantwahl nicht immer einfach. „Ist das mit Bedienung? Ich hätte lieber Selbstbedienung!“ „Stellen die an der Kasse wieder so viele Fragen?“ „Gibt es da auch sowas, wo das Getränk gleich mit dabei ist?“ (gemeint ist ein combo deal) „Gibt es da nur Burger?“ "Gibt es da auch etwas Nichtfrittiertes?" Schwierig, schwierig. Schließlich fanden wir einen sauberen Selbstbedienungsmexikaner, wo es zwar keine Combos, dafür aber frisch zubereitete Burritos gab. Mit Tortilla, Fleisch, Gemüse, Reis und Käse im Bauch fuhren wir zurück nach Marlborough und fielen vollgefuttert ins Bett.

28. August - Irene

Es hat die ganze Nacht geregnet, im TV sahen wir am Morgen Bilder aus New York, wo es noch ein bisschen regnete und wehte. Bisher sind 10 Menschen durch Irene ums Leben gekommen, 400 000 Menschen sind ohne Strom. Kein Wunder, hier gibt es ja nur Oberleitungen. Es macht Sinn, das gestern etliche Leute ihre Kanister vollgetankt haben, um ihre Generatoren zu betreiben. Wir haben gestern in New Hampshire an der Tankstelle eine Familie getroffen, die vermutlich irgendwo tief im Wald lebt (zumindest sahen sie so aus), die sich mit Sprit bevorratet haben.

Ansonsten ist vieles glimpflich ausgegangen, der Hurricane der Kategorie 1 war weniger verwüstend als gedacht und ist am Vormittag zu einem Tropensturm herabgestuft worden. Hier regnete es bis mittags mal mehr oder weniger heftig und es windete recht stark. Es war ein Wetter, wo man keinen Hund vor die Tür schicken mag, aber es war nicht so, dass man nicht rausgehen durfte. Hätte uns niemand etwas von einem Hurricane gesagt, so hätten wir gedacht, was für ein Sauwetter, da bleiben wir mal lieber im Hotel. Ab Nachmittag war es relativ ruhig geworden, der Regen hat aufgehört, die Bäume haben sich hin und wieder noch im Wind bewegt. Wir sind sogar mal rausgegangen und liefen zur nahe gelegenen Mall um festzustellen, dass alles, sogar das Kino, geschlossen hatte.

Die große vorausgesagte Katastrophe blieb zum Glück also aus, die Amerikaner haben sehr übervorsichtig reagiert. Verständlich - als 2005 Catrina New Orleans unter Wasser gesetzt und vieler Menschen Leben gekostet hat, wurde der Regierung große Vorwürfe gemacht, nicht oder unzureichend reagiert zu haben. Diesem Ärger will man sich vermutlich nicht noch einmal aussetzen, sodass hier in großem Stil Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden.

Wir saßen nun bis in den frühen Nachmittag im Hotel herum, guckten alle Berichte über Irene, die sich immer und immer wiederholten. Viele Bäume sind hier in der Gegend umgefallen und blockieren Straßen, kappten Stromleitungen, Fähren haben Betriebspause, Museen haben teilweise geschlossen. Hier im Hotel gab es kein wireless lan. Das Leben steht still in Massachusetts, weil es ein bisschen stürmt. Die TV-Reporter stellten sich immer wieder in die "Gefahrehzone" , hielten ihr Mikro in den Wind um auf das „creepy hauling“ aufmerksam zu machen, zeigten Bilder von umgefallenen Bäumen, von überfluteten Niederungen. Da man den Weltuntergang angekündigt hat, muss man jetzt wenigstens ein paar Schäden zeigen …

Fakt ist allerdings, dass am Ende des Tages in Vermont und New Hampshire einige Orte überschwemmt sind, 4 Millionen Menschen entlang der Ostküste sind ohne Strom. Gott sei dank gehört unser Viertel nicht dazu, aber die andere Seite von Marlborough soll wohl im Dunkeln sitzen. Aber wir sind hier im Hotel auch in einer privilegierten Position: In unserem Hotel sind seit gestern Abend mindestens 30 Elektromonteure mit ihren Kranfahrzeugen, hauptsächlich aus Michigan and Wisconsin, die seit dem Vormittag im Einsatz sind. Storm duty. Am Nachmittag erreichten etwa 30 weitere Helfer unser Hotel. Die sind gegen 18.000 Uhr losgezogen um zu dokumentieren, wo es überall Schäden gibt, wohin also die Elektriker und andere Aufräumarbeiter geschickt werden müssen. (Wir meinen: Das sind Baumschubser: da wo noch nix passiert ist, schneiden sie ein paar Äste ab und schicken das Fernsehen dahin.)

Am Abend wollten wir in ein Restaurant gehen, nur 200m von hier, das also noch Strom hatte, und die Restaurantbetreiber haben heute das Geschäft ihres Lebens gemacht: Im Eingangsbereich warteten bestimmt 20 Leute auf einen Tisch, der Laden war gerammelt voll. Was sollen die Leute auch anderes machen, wenn sie keinen Strom haben? Wir sind gleich wieder umgekehrt und haben feudal im Hotelzimmer gespeist – auf das Stromexil waren wir zum Glück nicht angewiesen!

Resultat von Irene:
Für die Amerikaner: Überflutungen und immense Schäden in der Stromversorgung
Für uns: ein total vergeudeter Tag

Und die Lehre?
Mit unterirdischen Stromleitungen könnte man sich viel Arbeit ersparen.
Mit weniger Panikmache wäre heute zwar schlechtes Wetter gewesen, doch wir hätten gemütlich ins Outlet Village shoppen gehen können.

Samstag, 27. August 2011

27. August - Massachusetts

Hurricane Irene verlangt eine Änderung in unserer Reiseplanung: Statt nach Cape Ann, wo Irene morgen hinziehen soll, fahren wir nun nach Marlborough westlich von Boston. Schade, dabei habe ich so lange nach dem kleinen hübschen Cottage in Rockport gesucht, doch einen Tropensturm in einer kleinen Hütte auszuharren schien uns keine gute Idee, und so beschlossen wir, die Küste während des Hurricanes zu meiden. Gegen halb elf verließen wir also Bartlett in den White Mountains und fuhren nach Massachusetts.

Unser Tagesziel war das Wrentham Premium Factory Village südwestlich von Boston, doch die Fahrt dahin verlief auf die letzten Meilen sehr zeitraubend, da in der Nähe an diesem Abend ein Country-Konzert stattfand, und die Autobahn blockiert war von Autos, in denen Leute mit Cowboyhüten und Karohemden saßen. So kamen wir erst am Nachmittag an und stürzten uns voller Vorfreude in die Geschäfte. Allerdings trübte Hurricane Irene unser Einkaufsvergnügen, denn schon nach eineinhalb Stunden – wir hatten es gerade von Tommy Hilfiger über Banana Republic zu Ralph Lauren geschafft und noch nichts weiter anprobiert – erfuhren wir, dass um 17.00 Uhr das gesamte Outlet Village schließen wird. Der Staat Massachusetts hat den State of Emergency ausgerufen, und nun wurde das Einkaufszentrum vier Stunden früher vorsorglich geschlossen. Es dauerte ewig, bis wir überhaupt vom Parkplatz zurück auf den Highway kamen. Morgen, am Sonntag, haben sie auch zu. So ein Ärger!

Wir fuhren nun zu unserem Hotel bei Marlborough, wo wir diesmal sehr schöne, große Zimmer haben. Im Supermarkt deckten wir uns noch mit ein paar Lebensmitteln und Trinkwasser ein, man kann ja nie wissen. Im TV erscheint es einem, als stünde der Weltuntergang bevor. Der Hurricane wütet im Moment in den Carolinas, soll die kommende Nacht auf New York treffen, wo hunderttausende Menschen evakuiert worden sind; zum ersten Mal in der Geschichte steht die subway still, Züge fahren nicht, Flughäfen sind gesperrt. Obama ist vorzeitig von seinem Urlaub auf Martha`s Vineyard zurückgekehrt. Es soll für New York der schwerste Sturm seit 70 Jahren sein. Hier in Massacusetts ist es schwülwarm und es regnet seit Stunden ein wenig. Das ist alles bis jetzt. Morgen vormittag soll Irene bei uns sein. We`ll see.

26. August - In den White Mountains

Heute früh standen wir auf bei strahlendem Sonnenschein, alle Wolken von gestern schienen verflogen. Nach dem Frühstück machten wir ins auf in den Crawford Notch, ein Tal etwas nördlich von Bartlett. Dort, an der Eisenbahnstation, begann unsere Wanderung auf den Mount Willard (ca. 870 Meter hoch), ein moderat ansteigender, aber sehr steiniger Trail führte uns hinauf. 


 Die Bahnstation in Crawford Notch

Da wir uns nur im Schneckentempo fortbewegten, nebenher ein paar handvoll Pilze, die am Wegesrand standen, aufsammelten, und mit anderen Wanderern etwas Konversation betrieben (z.B. mit einem gealterten Hippie-Paar, die in den 60ern in Baden-Württemberg stationiert waren), brauchten wir bald zwei Stunden, ehe wir auf dem Aussichtsplateau ankamen. Dort hatten wir einen grandiosen Blick auf Crawford Notch, durchschnitten vom Highway und der Eisenbahn. Kaum vorstellbar, wie hier die ersten Siedler ankamen, die harten Winter in dieser Wildnis überlebten und inmitten der Wälder die Eisenbahn bauten – was für eine Leistung! 







Langsam stiegen wir wieder hinab, immer auf der Hut vor den schwarzen Bären, die von dem Krach der vielen Wanderer wohl abgeschreckt wurden und uns nicht in die Quere kamen. Ein Reiseteilnehmer zeigte sich während der gesamten Wanderung sehr widerspenstig, weigerte sich weiter zu gehen und drohte mit Beschwerden und dem Gang zum Anwalt, weil der Wanderweg nicht asphaltiert und mit einem Geländer versehen war und er überhaupt lieber mit der Gondelbahn nach oben gelangt wäre. 

Von Mount Willard fuhren wir noch ein paar Meilen nordwärts und erreichten das Mount Washington Hotel bei Bretton Woods, ein Grandhotel aus dem Jahr 1902, mitten im Tal am Fuße des Mount Washington, mit 1917 Metern der höchste Berg Neuenglands. In diesem Hotel trafen sich im Dezember 1944 die Delegierten von 44 Staaten und regelten, wie das Weltfinanzsystem der Nachkriegszeit funktionieren sollte. Einen schönen, abgeschiedenen Ort haben sich die Politiker da ausgesucht! Wir bewunderten die mondäne, prächtige Lobby und nahmen einen Drink und einen Snack auf der Veranda mit Blick auf Mount Washington ein. Wie  dekadent!



Das Mount Washington Hotel


Unser 5-Sterne-Bus, ein Toyota Sienna

Danach fuhren wir zurück in unsere Cabin, guckten ein bisschen den Kindern am Pool zu, liefen mal zum Ufer des Saco River hinunter, und, nachdem die Sonne untergegangen war, kümmerte ich mich ums Abendessen: Ich bereitete Pasta tricolore zu, kochte dazu eine wunderbare Tomaten-Vodkasauce, gab frisches Gemüse bei und verfeinerte das ganze mit feinem weißen Hühnchenfleisch. (Es musste ja keiner wissen, dass es sich dabei um Fertigsauce von Berttoli, Dosengemüse und Roasted Chicken vom Vortag handelte). Das Lob habe ich gerne entgegen genommen.


Am Saco River


Nach dem Essen war Freizeit in der Gruppe angesagt. Zum Glück habe ich meine Eltern schon während des Ostseeurlaubs in die Regeln von Wizard eingewiesen, und Jan erwies sich als schnell verstehender Kartenspieler. Und tatsächlich war das Glück mit den Dummen, und Jan sackte den Ruhm des Gewinners ein.

25. August - Back to USA

Nach dem reichhaltigen Frühstück im Manoir Ambrose machten wir uns auf den Weg in Richtung Vereinigte Staaten. Während des Einpackens hat Mutti mit dem Koch des gegenüberliegenden Privatclubs ein Gespräch angefangen, und er schenkte ihr spontan vier Makronen – vielleicht sah sie so hilfsbedürftig aus?!

Der Weg nach Vermont verlief sehr unproblematisch. Der Grenzer war schweigsam, ganz anders als der kanadische Beamte in Niagara Falls. Überhaupt war an der Wald-und-Wiesen-Grenze nicht viel los. Einen Zwischenstopp legten wir in Burlington ein. Burlington hat eine ganz hübsche Fußgängerzone und wir liefen ebenso zur Waterfront hinunter. Dort unterhielten wie uns länger mit einem pensionierten Farmer aus der Umgebung, der sehr gesprächig war und uns darauf hinwies, dass die aus Österreich emigrierte Trapp-Familie ganz in der Nähe, in Stowe, Vermont lebt(e) und in den USA recht erfolgreich Countrymusik gemacht hat.





Vermont gilt als Öko-Staat






















Burlington liegt am Lake Champlain

Nach zwei Stunden fuhren wir weiter. Dabei mussten wir sogar mitten durch die Bundeshauptstadt Montpelier, und das auch noch am Nachmittag zur rush hour. Man kann sich vorstellen, was das für ein Verkehrsaufkommen war … !  Doch das winzig-niedliche Montpelier hat gerade einmal 9000 Einwohner, ein kleines Kapitol und ein paar Ampelkreuzungen. Die größte Stadt in Vermont hingegen ist Burlington, wo 40.000 Menschen leben. Eine Autofahrt durch Vermont ist also ganz gemütlich: wenige Städte, wenige Autos, viel, viel Wald. Ebenso viel bewaldet und dünn besiedelt ist New Hampshire, wo wir in die White Mountains, ein Teil der Appalachen, hineinfuhren. Unsere Unterkunft liegt in Bartlett, mitten im State Park. Wir haben im Sky Valley Resort ein Chalet mit zwei Schlafzimmern gemietet. Das Resort gibt es seit den 50ern, unsere Hütte ist sicher mehr als 30 Jahre alt. Ein Hauch, nein, ein starker Wind von Altertum wehte vor allem in der Küche und in den zwei Badezimmern. Aber dennoch hat es uns ganz gut dort gefallen, denn wir waren für uns, hatten ausreichend Platz, und auch die recht abgeschiedene Lage war für zwei Tage ein kleiner Segen.





In New Hampshire schätzt man die Ruhe, den Frieden und die Einsamkeit

Donnerstag, 25. August 2011

24. August - Kultur in Montreal

Der Tag ging schon mal gut los, denn wir konnten ein recht anständiges Frühstück genießen, zwar ohne Bagel und cream cheese, dafür aber gab es zum ersten Mal Eier, Käse und kleine Croissants. Außerdem haben wir auf der ganzen Reise beim Frühstück noch nie so wenig Müll produziert wie in Montréal!

Wir liefen nun zu einigen sehenswerten Gebäuden, wie z.B. die Kathedrale Marie, die aussieht wie der Petersdom, nur eben viel kleiner, und die Basilika Notre Dame, die ein bisschen  an die Notre Dame in Paris erinnerte.



Weiterhin waren wir in einer calvinistischen Kirche, in der wir auf ein Gemeindemitglied trafen, mit dem wir uns etwas unterhielten, Der Mann hatte in den 70ern in Bern gearbeitet und konnte uns etwas über Montréal erzählen, z.B. dass die Hälfte aller Einwohner der Stadt englischsprachig seien,  in der Regierung und Verwaltung Französisch auf  Muttersprachenniveau aber Voraussetzung sei. Kinder gehen entweder auf französische oder bilinguale Schulen, und uns ist aufgefallen, dass Englisch in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle spielt, in Geschäften, im Straßenverkehr liest man nur Französisch.

Am Abend fuhren wir mit unserem Privatbus nach Little Italy und besuchten ein italienisches Restaurant. Wir gingen zwar als geschlossene Gruppe dorthin, konnten das 3-Gänge-Menü aber in Ruhe genießen, denn wir saßen an getrennten Tischen: Jan musste sich um Vati kümmern, und ich konnte mich ohne Dazwischengequatsche von anderen mit Mutti unterhalten. Getrennt zusammen essen gehen kann manchmal ganz vorteilhaft sein! Das Essen war sehr gut, ebenso die Dekoration und das Lokal an sich. Hier in Montréal dient Essen eben nicht nur der bloßen Nahrungsaufnahme, sondern ist ein Kulturgut.







In der Altstadt kann man sich mit ein bisschen gutem Willen wie in Frankreich fühlen - sogar Filmszenen, die in Europa spielen, werden hier gedreht.

23. August - Politik in Ottawa

Ottawa ist keine amerikanisch-kanadische Stadt - das wurde uns schon beim Frühstück im Hotel klar, denn hier gab es neben Papp- und Plastikgeschirr auch echtes Steingutgeschirr und eine Dame, die das Geschirr sofort wusch. Auch die runden Brötchen mit Loch sowie der Cream cheese fehlten, die bei einem traditionellen amerikanischen Frühstück eigentlich nicht wegzudenken sind. Durch Ottawa weht eben schon ein laues, aus Quebec kommendes, französisches Lüftchen. So verwundert es auch nicht, warum das provinzielle Ottawa zur Hauptstadt der Kanadier erkoren wurde: es liegt auf der Grenzlinie zwischen Engländern und Franzosen, wenngleich Ottawa zur hauptsächlich englischsprachigen Provinz Ontario gehört.

Nach dem Frühstück mussten wir uns beeilen, denn wir wollten die exerzierende Wachen vor dem Parlamentsgebäude nicht verpassen. Schnell fuhren wir ins Zentrum, stellten unseren Bus unter und eilten zum Parliament Hill. Zwar waren andere Touristen schneller als wir und überließen uns keinen Platz in der ersten Reihe, doch haben wir das meiste der kleinen Parade beobachten können. Es wurde aus Leibeskräften in die diversen Blasinstrumente gepustet, Dudelsäcke erklangen von Quilt tragenden Männern und Frauen, Köpfe wurden auf Kommando nach links und rechts geworfen, Füße gestampft, Waffen bereit gehalten und vom Chef im Takt der Musik begutachtet. Warum also nach London reisen, wenn man die rot bejackten und Bärenfell bemützten Wachsoldaten auch in Ottawa bewundern und fotografieren kann? Schließlich setzte sich der Zug marschierend in Bewegung und ging irgendwo hin und hinterließ eine große, leere Wiese, auf der im Frühjahr alles voller Tulpen sein soll – ein Gruß der holländischen Royals, weil die Kanadier ihnen im Zweiten Weltkrieg Exil boten.





Wachablösung vor dem Parlamentsgebäude







Der Rasen ist wieder frei


Auch heute waren gelbe und orangene Blumen auf dem Parliament Hill zu finden – von trauernden Menschen, denn am Tag zuvor war der Anführer der neuen demokratischen Oppositionspartei, Jack Layton, an Krebs gestorben. Alle Fahnen in Ottawa wehten auf Halbmast, neben Libyen war Layton Thema Nummer 1 in Zeitung und Fernsehen.

Wir meldeten uns zu einer Führung durch das Parlamentsgebäude an, mussten jedoch eineinhalb Stunden bis zu unserem Termin warten. Diese Zeit verbrachten wir mit einem kleinen informativen Rundgang über den Parliament Hill, wo scheinbar jeder wichtige Mann des 19. und 20. Jahrhunderts in Stein geschlagen steht.

Durch das Gebäude, das wir erst nach einem Sicherheitscheck betreten durften, führte uns Liam, der sich wohl erst gestern mit Catherine, die uns die Tickets ausgegeben hat, verlobt hatte, wie einer seiner Kollegen uns öffentlich mitteilte. Armer Liam, der musste sich gleich ein paar Fragen und Kommentare gefallen lassen … Die Führung war recht informativ, wir durften sogar mal in den Senat hineingehen; im House of Representatives fand leider gerade eine Konferenz statt, so dass der Saal für uns geschlossen war. Das gesamte Gebäude ist Westminster nachempfunden – wie gesagt, London kann man sich sparen! Leider brannte alles bis auf die Bibliothek 1916 nieder, weshalb das Gebäude erst knapp hundert Jahre alt ist. Die Bibliothek ist der einzig erhaltene Gebäudeteil.

Mit Grundkenntnissen in kanadischer Politik ausgestattet war nun Raum für Freizeit. Wir liefen durch die Stadt hinunter zum Rideau Canal und am Kanal zurück zum Parlament. Dort befindet sich im Kanal, der aus dem Lake fließt, ein historisches open air Museum für Technik: eine handbetriebene Schleusenanlage. Wir konnten sogar beobachten, wie Wasser gepumpt und die Schleusen über Zahnräder geöffnet wurden. Und diese Vorführung war für die Zuschauer doch glatt umsonst!

Nach so einem lehrreichen Stadtbesuch war es nun an der Zeit, das nächste Ziel anzuvisieren: Montréal, Québec. Unser TomTom führte uns direkt ins Herz der Stadt, wo sich unser kleines Hotel, das Manoir Ambrose, befand. In einem früher einmal herrschaftlichen Stadthaus befindet sich heute ein kleines Hotel mit viktorianischem Charme und hübschen Zimmern (auch wenn dieses individuelle Flair sich in unserem Badezimmer in Form eines muffig-schimmeligen Geruchs äußerte). Das schönere der beiden Zimmer - mit breiterem Bett und Tageslicht sowohl im Zimmer als auch im Bad - haben wir großzügigerweise den älteren Reiseteilnehmern überlassen.


Unser nettes Hotel, das Manoir Ambrose

Weil wir endlich mal wieder im Stadtzentrum nächtigten, konnte unser Bus stehen bleiben und wir gingen zu Fusß auf Essenssuche und landeten schliesslich in einer Pizzeria.

Mittwoch, 24. August 2011

22. August - Shopping!

Als Reiseleiter Jan diese Tour im Frühjahr 2011 vor Ort ausgekundschaftet hatte, besuchte er einen kleinen Outlet in Kingston am Lake Ontario. Da er hier einige Schnäppchen machte, beschloss er, diesen Einkaufsstopp in die Route aufzunehmen. So fuhren wir also entlang des Lake Ontario von Toronto nach Kingston, wo wir allerdings nur zwei Geschäfte vorfanden, die für uns von Interesse waren: Tommy Hilfiger und Calvin Klein. Hätte man uns nicht gedrängelt, wäre dies ein entspanntes Einkaufen gewesen, denn die Stores waren fast leer. Zuletzt wurden wir Frauen fündig und konnten einige Dollars loswerden.

Auf der anschließenden Weiterfahrt in Richtung Ottawa machten wir noch in einem Wendy`s Schnellrestaurant halt und genossen die amerikanische Küche samt Burger, Fritten und Coke (darf's auch Pepsi aus Chlorwasser sein?).

Die Weiterfahrt gestaltete sich als sehr angenehm, da die Highways nicht sonderlich voll, aber durchaus breit genug für unseren Straßenkreuzer waren. Unser Hotel lag in Ottawa West, was auf der Karte sehr zentral gelegen aussah – sich aber als kleiner Vorort des auch sehr provinziell gefühlten Ottawa Dontown herausstellte.

Wir wollten ein paar Sachen fürs Abendessen einkaufen und suchten einen Walmart auf, mussten jedoch feststellen, dass es hier jeglichen Krempel gab, nur so gut wie keine Lebensmittel. Selbiges war uns schon in Toronto passiert – scheinbar sind die kanadischen Walmarts weniger auf Weißbrot und Icecream spezialisiert, sondern eher auf Haushaltsartikel. Verhungern mussten wir an diesem Abend aber dennoch nicht, denn wir fanden einen Ersatzladen zweiter Wahl. Gegessen haben wir dann im Frühstücksraum des Hotels und waren danach so müde, dass wir es nicht mal mehr auf ein Bier ins Irish Pub schafften, obwohl wir nur hätten 20m laufen müssen … Tja, Jan ist ja nun schon jenseits der 30 – da gewinnt der Begriff Nachtruhe eine ganz neue Bedeutung!

Dienstag, 23. August 2011

21. August - Business in Toronto

Nach einem kleinen Frühstück im Keller, wo es immerhin Waffeln zum Selbstbacken gab (am nächsten Morgen war der Teig jedoch aus), fuhren wir mit der subway ins Zentrum, gingen die Yonge Street hinab zur Waterfront und sahen an Highlights den CN Tower und weiter eigentlich nichts. Weil Sonntag war, war wenig Betrieb in der Stadt und einige Geschäfte waren sogar geschlossen. Mit einer nostalgischen Straßenbahn fuhren wir hinaus zum Exhibition Gelände, weil dort gerade die Canadian National Exhibition (CNE) stattfand, in die wir dann aber doch nicht hinein gingen. Also nahmen wir wieder eine alte Straßenbahn, die uns zurück ins Zentrum brachte. Als nächstes Ziel hatte sich Jan eine Markthalle ausgeguckt, doch auf dem Weg dahin begann es heftig zu regnen und wir stellten uns die der Art Gallery unter. Dort verwickelte Vati gleich drei junge Damen in ein Gespräch. Sein Bildungsauftrag hat sich ob der Pensionierung nicht abgeschwächt, sodass er den Amerikanern von East und West Germany erzählt und die Leute fragt, ob sie Dresden und Leipzig kennen.

Da das Wetter schlecht blieb, fuhren wir zurück zur Yonge Street und gingen dort in das sich über vier Etagen ausdehnende Eaton Center, stärkten uns erst einmal in einem Starbucks und zogen dann durch einige Geschäfte. Nach dem Wolkenbruch kam dann doch wieder die Sonne hervor und wir ergriffen die Möglichkeit rauszugehen und die Old City Hall, die direkt neben dem Eaton Center ist, anzuschauen sowie die nebenan errichtete „New“ City Hall am Nathan Square. Auf diesem Platz fand heute ein Himalaya Fest statt, organisiert und besucht von asiatischen Einwanderern.

Die Old City Hall

                                                




















Im Eaton Center

Nach einem weiteren Bummel durch das Einkaufszentrum fuhren wir mit der subway zurück nach Scarborough. Das Abendessen sollte heute in privater Atmosphäre auf dem Zimmer abgehalten werden, sodass wir vorher einen Supermarkt aufsuchten und einige Salate und Brot einkauften. Ins pulsierende Nachtleben stürzten wir uns nicht, vielmehr müde ins Bett. 
Begeistert war ich von Toronto, ehrlich gesagt, nicht. Auch auf die Weiten des Lake Ontario hat man vom Zentrum aus nicht blicken können, weil ein paar kleine Inseln vorgelagert waren. Und die vielen Hochhäuser sieht man, war man vorher in NYC, nicht unbedingt als eine Besonderheit an.Vielleicht habe ich die schönen Stellen in Toronto verpasst ...?

Montag, 22. August 2011

20. August - Niagara Falls

Heute nun haben wir sie endlich in natura gesehen, die Niagarafälle! Von Batavia brauchten wir eine Stunde nach Niagara Falls, aber weil der Anblick auf die Fälle von der kanadischen Seite lohnenswerter ist, fuhren wir gleich über die Rainbow bridge nach Kanada und liefen dort die Uferpromenade des Niagara River entlang. Von dort hatten wir einen fantastischen Blick auf die vergleichsweise eher kleinen America Falls und auf die spektakulären Horseshoe Falls. Es ist kaum vorstellbar, dass, obwohl Unmengen an Wasser die Fälle herunterstürzen, 4000 Liter Wasser pro Sekunde noch zuvor für das Kraftwerk abgepumpt werden.

 

Im Hintergrund die American Falls

Die Fälle bieten einen unglaublich schönen Anblick, vor allem bei dem schönen Sonnenschein, den wir heute hatten. Zum Glück sorgte das weit spritzende Wasser für eine minimale Abkühlung.





Im Hintergrund die kanadischen Horseshoe Falls

Wer allerdings glaubt, die Fälle lägen irgendwo in der nordamerikanischen Wildnis, wird wohl von dem touristischen Andrang, den vielen Hotels und Casinos etwas enttäuscht (oder gerade darum sehr erfreut) sein. 

Im Anschluss an einen Spaziergang entlang der Promenade, welche wir mit gefühlten tausenden von Menschen teilten, machten wir uns auf den Weg zum Ziel der Tagesetappe: Toronto. Dabei besuchten wir die wunderschöne Gartenstadt Niagara-on-the-lake. Vermutlich dank der nahe gelegenen Bildungsanstalt für Gartenkunst erblühen hier wunderschöne Blumen und Pflanzen jeglicher Art, die mit ihren vielen bunten,leuchtenden Farben die Haupstrasse, eine Ladenzeile mit kleinen authentischen Läden und Boutiquen, schmückten. Wir gönnten uns aufgrund der Hitze und des anstrengenden Tag einen leckeren Kaffee mit Eis.




Abendessen war gebucht in Scarborough/Toronto bei St. Andrew`s Fish&Chips - schottische Spezialitäten standen heute abend auf der Tageskarte. Für Mutti gab es sogar ein Gericht mit Fleisch, wir anderen haben klassisch Fisch und dicke Pommes gegessen. So niveauvoll haben wir seit einer Woche nicht diniert: Gläser, Metallbesteck und Steingutteller – ein bisschen Kultur haben sich die Kanadier wohl doch erhalten. Danach gingen wir in unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte, ein neu renoviertes Howard Johnson, wo es uns, ungeachtet der Tatsache, dass der Frühstücksraum im Keller war, recht gut gefiel. Rezeptionist Kevin hat keine Mühen gescheut, kaputte Leuchtbirnen auszutauschen, unseren Kühlschrankersatz mit Eis zu befüllen und uns wertvolle Tipps für die Stadtbesichtigung zu geben.

19. August - On the road

Nach einem herzhaften scrambled eggs Frühstück liefen wir über den Broadway zum Central Park. Zu ausgedehnten Spaziergängen war jedoch keine Zeit, da wir ziemlich bald wieder zum Hotel gingen um auszuchecken. Mit unserem Gepäck fuhren wir zurück zu JFK – wir wollten schauen, ob wir einen Teil der Reiseteilnehmer wegen anhaltender Beschwerden bereits vorzeitig auf den Heimflug schicken konnten, doch leider gab es keine freien Plätze mehr. Somit blieben wir zu viert und holten uns bei National Car unseren Mietwagen ab, einen Toyota Sienna, ein bequemer, geräumiger Van. Meine Eltern sind ganz begeistert von dem Fünf-Sterne-Deluxe Reisebus, besonders von den Sesseln in der zweiten Reihe und den automatisch schließenden Türen. Hier, in NYC startet und endet unser Road Trip.

Wer schon mal versucht hat, am Freitag Nachmittag aus NYC rauszufahren, wird wohl die Strecke von NYC nach Batavia zeitlich realistischer eingeschätzt haben, als wir es taten. Wir rechneten damit, gegen 20Uhr im Hotel einzutreffen, aber tatsächlich erreichten wir unsere Unterkunft erst kurz vor Mitternacht. Es war eine lange, anstrengende Fahrt mit wenigen spektakulären points of interest – zu nennen wären hier nur der Wal Mart von Monroe und ein McDonalds im Nirgendwo, wo wir pausierten. Wobei wir aber das Gelände des Woodstock Festivals passierten (naja - 20km von der Interstate entfernt) und die Gegend an sich sehr ansehnlich gewesen ist. (häh? Überall Wald und Hügel mit Wald drauf - gibts hier überall, nur schöner!) Der miedrige Standard unseres Motels Days Inn störte uns ausnahmsweise nicht, das kingsize Bett machte alles wett, denn wie glücklich waren wir, an diesem Abend todmüde ins Bett zu fallen …

Samstag, 20. August 2011

18. August - Volles Programm in NYC

Früh um 5 Uhr war es vorbei mit der Nachtruhe, so dass sich die Reisegruppe bereits kurz nach 7 Uhr zum Frühstück bei den mexikanischen Jungs im Bistro gegenüber des Hotels einfand. Da es der Geburtstag des Reiseleiters ist, gab es erst einmal Geschenke: von Margret eine Einladung zum Musical am Broadway für selbigen Tag, von den Eltern und Katja eine Krawattennadel, damit Jan als Reiseleiter zukünftig einen noch seriöseren Eindruck hinterlässt.

Der erste Programmpunkt: Miss Liberty. Zum Glück hatten wir die Crown Tickets schon Monate zuvor reserviert, denn sie waren schon Wochen vorher ausverkauft. Mit der Fähre fuhren wir bei wolkenverhangenem Himmel nach Liberty Island, gingen erst ins Museum und erfuhren ein wenig über die Erstellung der Lady, bevor wir erst das Podest hinaufstiegen und dann über eine schmale Wendeltreppe in die Krone gelangten. Dort oben war sehr wenig Platz, so dass immer nur maximal 10 Leute pro Gruppe hinauf gelassen werden. Der Aufstieg war sehr lohnenswert – nicht wegen des schönen Blicks auf den Hudson und Manhattan – den hat man auch vom Podest aus – sondern weil es ein einmaliges Erlebnis ist, sich im Inneren der Freiheitsstatue zu befinden (was ja auch erst seit 2009 wieder erlaubt ist).

Angekommen auf Liberty Island










Kleine Verschnaufpause während des Aufstiegs
















 In der Krone























Wieder auf dem Boden angekommen – mittlerweile schien die Sonne und es wurde sehr warm - hatten wir das Glück, einen Aufmarsch einer Ausbildungseinheit der US Navy zu beobachten, die im Rahmen ihrer Ausbildung auch amerikanische Geschichte lernen. Jeder von den Männern musste ein paar Sätze über die Erstellung der Freiheitsstatue aufsagen, wobei manche Probleme hatten, sich diese zu merken und ins Stottern gerieten. Das hat mich doch gleich wieder an die Schule erinnert: („war ganz gut, setzen, vier!“)

Der zweite Programmpunkt: Eine kleine Stippvisite durch Lower Manhattan. Wall Street, der Börsenbulle, die Baustelle vom Freedom Tower und die 9/11 Memorial Site, die sich momentan noch in einem Interimgebäude befindet und am 9. September 20011, dem 10 Jahrestag der Anschläge, von Obama eingeweiht werden soll.

Mit Rücksicht auf die älteren Reiseteilnehmer wurde an dieser Stelle eine kleine Nachmittagspause im Hotelzimmer eingelegt.

Programmpunkt drei: Times Square und Fifth Avenue mit anschließendem Abendessen.

Am Abend folgte schliesslich das Highlight des Tages: Wir gingen in das Winter Garden Theater am Broadway und sahen das Musical MAMMA MIA! Vati hatte die Eintrittskarte von mir und Katja zum Geburtstag bekommen, auch für Jan war die Karte ein Geburtstagsgeschenk. Ich habe das Stück 2003 schon in Hamburg gesehen und es als ein zwar seichtes, dafür aber stimmungsgeladenes und gute Laune machendes Musical in Erinnerung. Und genau dieser Eindruck bestätigte sich: eine Geschichte mit viel Witz und Charme, viele bekannte Lieder, brillianter Gesang und Tanz, einfach eine hervorragende Performance, die für gute Stimmung sorgte. Zum Schluss stand das Publikum und hat mitgetanzt! Das amerikanische MAMMA MIA! hat mir sogar besser gefallen, weil die Songs fast ausschließlich in den Originaltexten gesungen wurden, während die Abba-Lieder auf deutsch damals etwas gewöhnungsbedürftig waren. Unsere erste Broadway-Show war ein voller Erfolg!

Nach dem Musical gingen wir noch auf einen Absacker ins Irish Pub, spazierten über den Times Square und waren sogar noch vor Mitternacht wieder im Hotel.