Es hat die ganze Nacht geregnet, im TV sahen wir am Morgen Bilder aus New York, wo es noch ein bisschen regnete und wehte. Bisher sind 10 Menschen durch Irene ums Leben gekommen, 400 000 Menschen sind ohne Strom. Kein Wunder, hier gibt es ja nur Oberleitungen. Es macht Sinn, das gestern etliche Leute ihre Kanister vollgetankt haben, um ihre Generatoren zu betreiben. Wir haben gestern in New Hampshire an der Tankstelle eine Familie getroffen, die vermutlich irgendwo tief im Wald lebt (zumindest sahen sie so aus), die sich mit Sprit bevorratet haben.
Ansonsten ist vieles glimpflich ausgegangen, der Hurricane der Kategorie 1 war weniger verwüstend als gedacht und ist am Vormittag zu einem Tropensturm herabgestuft worden. Hier regnete es bis mittags mal mehr oder weniger heftig und es windete recht stark. Es war ein Wetter, wo man keinen Hund vor die Tür schicken mag, aber es war nicht so, dass man nicht rausgehen durfte. Hätte uns niemand etwas von einem Hurricane gesagt, so hätten wir gedacht, was für ein Sauwetter, da bleiben wir mal lieber im Hotel. Ab Nachmittag war es relativ ruhig geworden, der Regen hat aufgehört, die Bäume haben sich hin und wieder noch im Wind bewegt. Wir sind sogar mal rausgegangen und liefen zur nahe gelegenen Mall um festzustellen, dass alles, sogar das Kino, geschlossen hatte.
Die große vorausgesagte Katastrophe blieb zum Glück also aus, die Amerikaner haben sehr übervorsichtig reagiert. Verständlich - als 2005 Catrina New Orleans unter Wasser gesetzt und vieler Menschen Leben gekostet hat, wurde der Regierung große Vorwürfe gemacht, nicht oder unzureichend reagiert zu haben. Diesem Ärger will man sich vermutlich nicht noch einmal aussetzen, sodass hier in großem Stil Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden.
Wir saßen nun bis in den frühen Nachmittag im Hotel herum, guckten alle Berichte über Irene, die sich immer und immer wiederholten. Viele Bäume sind hier in der Gegend umgefallen und blockieren Straßen, kappten Stromleitungen, Fähren haben Betriebspause, Museen haben teilweise geschlossen. Hier im Hotel gab es kein wireless lan. Das Leben steht still in Massachusetts, weil es ein bisschen stürmt. Die TV-Reporter stellten sich immer wieder in die "Gefahrehzone" , hielten ihr Mikro in den Wind um auf das „creepy hauling“ aufmerksam zu machen, zeigten Bilder von umgefallenen Bäumen, von überfluteten Niederungen. Da man den Weltuntergang angekündigt hat, muss man jetzt wenigstens ein paar Schäden zeigen …
Fakt ist allerdings, dass am Ende des Tages in Vermont und New Hampshire einige Orte überschwemmt sind, 4 Millionen Menschen entlang der Ostküste sind ohne Strom. Gott sei dank gehört unser Viertel nicht dazu, aber die andere Seite von Marlborough soll wohl im Dunkeln sitzen. Aber wir sind hier im Hotel auch in einer privilegierten Position: In unserem Hotel sind seit gestern Abend mindestens 30 Elektromonteure mit ihren Kranfahrzeugen, hauptsächlich aus Michigan and Wisconsin, die seit dem Vormittag im Einsatz sind. Storm duty. Am Nachmittag erreichten etwa 30 weitere Helfer unser Hotel. Die sind gegen 18.000 Uhr losgezogen um zu dokumentieren, wo es überall Schäden gibt, wohin also die Elektriker und andere Aufräumarbeiter geschickt werden müssen. (Wir meinen: Das sind Baumschubser: da wo noch nix passiert ist, schneiden sie ein paar Äste ab und schicken das Fernsehen dahin.)
Am Abend wollten wir in ein Restaurant gehen, nur 200m von hier, das also noch Strom hatte, und die Restaurantbetreiber haben heute das Geschäft ihres Lebens gemacht: Im Eingangsbereich warteten bestimmt 20 Leute auf einen Tisch, der Laden war gerammelt voll. Was sollen die Leute auch anderes machen, wenn sie keinen Strom haben? Wir sind gleich wieder umgekehrt und haben feudal im Hotelzimmer gespeist – auf das Stromexil waren wir zum Glück nicht angewiesen!
Resultat von Irene:
Für die Amerikaner: Überflutungen und immense Schäden in der Stromversorgung
Für uns: ein total vergeudeter Tag
Und die Lehre?
Mit unterirdischen Stromleitungen könnte man sich viel Arbeit ersparen.
Mit weniger Panikmache wäre heute zwar schlechtes Wetter gewesen, doch wir hätten gemütlich ins Outlet Village shoppen gehen können.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen