Samstag, 27. August 2011

26. August - In den White Mountains

Heute früh standen wir auf bei strahlendem Sonnenschein, alle Wolken von gestern schienen verflogen. Nach dem Frühstück machten wir ins auf in den Crawford Notch, ein Tal etwas nördlich von Bartlett. Dort, an der Eisenbahnstation, begann unsere Wanderung auf den Mount Willard (ca. 870 Meter hoch), ein moderat ansteigender, aber sehr steiniger Trail führte uns hinauf. 


 Die Bahnstation in Crawford Notch

Da wir uns nur im Schneckentempo fortbewegten, nebenher ein paar handvoll Pilze, die am Wegesrand standen, aufsammelten, und mit anderen Wanderern etwas Konversation betrieben (z.B. mit einem gealterten Hippie-Paar, die in den 60ern in Baden-Württemberg stationiert waren), brauchten wir bald zwei Stunden, ehe wir auf dem Aussichtsplateau ankamen. Dort hatten wir einen grandiosen Blick auf Crawford Notch, durchschnitten vom Highway und der Eisenbahn. Kaum vorstellbar, wie hier die ersten Siedler ankamen, die harten Winter in dieser Wildnis überlebten und inmitten der Wälder die Eisenbahn bauten – was für eine Leistung! 







Langsam stiegen wir wieder hinab, immer auf der Hut vor den schwarzen Bären, die von dem Krach der vielen Wanderer wohl abgeschreckt wurden und uns nicht in die Quere kamen. Ein Reiseteilnehmer zeigte sich während der gesamten Wanderung sehr widerspenstig, weigerte sich weiter zu gehen und drohte mit Beschwerden und dem Gang zum Anwalt, weil der Wanderweg nicht asphaltiert und mit einem Geländer versehen war und er überhaupt lieber mit der Gondelbahn nach oben gelangt wäre. 

Von Mount Willard fuhren wir noch ein paar Meilen nordwärts und erreichten das Mount Washington Hotel bei Bretton Woods, ein Grandhotel aus dem Jahr 1902, mitten im Tal am Fuße des Mount Washington, mit 1917 Metern der höchste Berg Neuenglands. In diesem Hotel trafen sich im Dezember 1944 die Delegierten von 44 Staaten und regelten, wie das Weltfinanzsystem der Nachkriegszeit funktionieren sollte. Einen schönen, abgeschiedenen Ort haben sich die Politiker da ausgesucht! Wir bewunderten die mondäne, prächtige Lobby und nahmen einen Drink und einen Snack auf der Veranda mit Blick auf Mount Washington ein. Wie  dekadent!



Das Mount Washington Hotel


Unser 5-Sterne-Bus, ein Toyota Sienna

Danach fuhren wir zurück in unsere Cabin, guckten ein bisschen den Kindern am Pool zu, liefen mal zum Ufer des Saco River hinunter, und, nachdem die Sonne untergegangen war, kümmerte ich mich ums Abendessen: Ich bereitete Pasta tricolore zu, kochte dazu eine wunderbare Tomaten-Vodkasauce, gab frisches Gemüse bei und verfeinerte das ganze mit feinem weißen Hühnchenfleisch. (Es musste ja keiner wissen, dass es sich dabei um Fertigsauce von Berttoli, Dosengemüse und Roasted Chicken vom Vortag handelte). Das Lob habe ich gerne entgegen genommen.


Am Saco River


Nach dem Essen war Freizeit in der Gruppe angesagt. Zum Glück habe ich meine Eltern schon während des Ostseeurlaubs in die Regeln von Wizard eingewiesen, und Jan erwies sich als schnell verstehender Kartenspieler. Und tatsächlich war das Glück mit den Dummen, und Jan sackte den Ruhm des Gewinners ein.

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